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Gedichte Engel

Willst Du ein Engel sein für and’re,
dann schau mal durch die Straßen Deiner Stadt,
denn dort kann man sogleich erkennen,
wer nicht das Nötige zum Leben hat.
Du kannst mit offner Hand hier geben,
und erntest leuchtende Blicke schnell,
verhilfst dem Bettler so zum Leben.
Das ist das solidarische Modell.



Wirf Deinen eignen Engelblick heut in die Straßen Deiner Stadt,
da gibt es stets genug für den zu tun,
der helfen will und auch wohl Bares hat.
Da bleibt Dir nicht viel Zeit, Dich auszuruhen.
Schau auf das Kind, das vor den Süßigkeiten,
verzaubert steht und in den Taschen kramt.
Reich ihm nur ein paar Cent, geh einfach weiter,
es fängt damit schon das Erwünschte an.


Du kannst als Engel selbst der Menschen Augen strahlen lassen,
ganz gleich, wie oft, Du wirst schon sehn.
Musst lediglich mit offnem Blicke
in Deinen Straßen auf und nieder gehen.
Sieh da, die Kleine, die der Mutter
ein Blümchen mit nach Hause bringen will.
Da reichen die paar Cent nicht für ein Veilchen.
Reich ihr ein Geldstück und sie strahlt ganz still.



Wenn Du einmal den ganzen Tag als Engel
für and’re streifst herum und schaust
ins weihnachtliche Menschgedrängel,
und dabei einfach auf Dich selbst vertraust,
erblickst Du auch die Not der andern,
die einsam durch die Straßen wandern.
Am Abend eines solchen Tages,
der Dich nur wenig mehr gekostet hat
als sonst Dein Luxus, der Dir selbstverständlich,
Dir Deinen Tag nicht so verschönert hat,
wie nun all das Strahlen in den Augen andrer,
die nicht vom Glück begünstigt sind
Dein Herz erwärmen und erfüllen
und Du bleibst für die Not der Menschen nicht mehr länger blind.



Die alte Frau dort an der Ecke -
mit vollen Einkaufstaschen sie sich quält.
Sie hat sie grad, weil sie so müde,
ganz einfach vor sich abgestellt.
Und schon fällt eine um, die Apfelsinen
kullern heraus und rollen schleunigst fort.
Steig jetzt von Deinem Rad und sei behilflich,
die meisten Leute schaun doch einfach fort.
Sei ihr ein Engel und sie wird’s Dir danken,
dass Du den Blick und Zeit für sie gefunden hast.
So weist Du der Gedankenlosigkeit die Schranken,
und hilfst der Frau mit ihrer Last.



Sie leben in den Zwängen der Gesellschaft,
die keine Zeit mehr hat für Menschlichkeit,
und stoßen täglich an die eignen Grenzen,
wenn sie den Alten in den Heimen helfen in der Arbeitszeit.
Und doch reicht diese Zeit nur für das Nötige zum Überleben.
Für einen lieben Blick oder ein wichtiges Gespräch,
ist neben Sauber machen und dem Nahrung geben,
nicht eine Lücke mehr in ihrem engen Zeitbudget.
Hier fehlen sie, die echten Engel,
die sich herauszuheben wagen aus der Masse.
Dass wir sie brauchen lässt sich leicht erkennen.
Das stellt von uns kaum jemals wer in Frage.
Doch nur der, der sich Zeit nimmt für die Alten,
sie mal besucht und nach ihrem Befinden fragt,
der wird im freundlichen Bedanken seinen Lohn erhalten,
weil er sich hier auf neue Wege wagt.





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